Foto: Stadt Meerbusch / Sandra Sperlinger

Wir haben in den letzten Wochen ja alle einen völlig ungewohnten privaten und beruflichen Alltag erlebt. Die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Ausbreitung haben unser Leben verändert – und auch die Verwaltungsarbeit ganz neu gefordert. Die Redaktion von „Wat is los? – Magazin für Meerbusch“ hat mit Meerbuschs Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage über eine völlig neue Situation als Amtsinhaberin gesprochen.

Red.: Frau Mielke-Westerlage: Eine Pandemie bekämpfen – das war ja auch für Sie als Bürgermeisterin komplett unerwartet. Was hat sich geändert – wenn es erst einmal um Ihre Arbeit als Bürgermeisterin geht?

A. M-W.: Mein beruflicher Alltag ist normalerweise von einer Vielzahl von Terminen geprägt. Interne und externe Besprechungen, Sitzungen und repräsentativen Veranstaltungen – nehmen mich voll in Anspruch. Das hat sich seit dem 13. März 2020, dem Tag, als die Landesregierung als eine der ersten Maßnahmen zur Verhinderung der Ausbreitung des Corona-Virus die Schließung der Schulen und das Betretungsverbot für Kinderbetreuungsangebote bekanntgegeben hat, deutlich geändert. Besprechungen finden beinahe ausschließlich als Videokonferenzen statt, kommunalpolitische Termine in Verbindung mit Sitzungen sind genauso wie repräsentative Termine komplett entfallen.

Red.: Sind Sie jetzt arbeitslos?

A. M-W.: Nein. Die Corona-Pandemie stellt uns vor Herausforderungen, die wir in 70 Jahren Bundesrepublik nicht gekannt haben und die zwischenzeitlich alle Lebensbereiche betreffen. Zunächst galt es, Regelungen zur Kontaktminimierung durch so genannte Allgemeinverfügungen vor Ort verbindlich umzusetzen. Durch die Corona-Schutzverordnung vom 22. März 2020 mit der Schließung aller öffentlicher Einrichtungen, mit massiven Eingriffen in den Handel und dem Kontaktverbot haben die Regelungen eine neue Qualität erhalten. Es haben sich viele Auslegungsfragen ergeben, der Kommunikationsbedarf war enorm. Wir sind jetzt in der Phase angelangt, dass andere Rechtsbereiche geändert werden, die wir in der Verwaltung umsetzen.

Red.: Wie haben Sie Ihre Arbeit organisiert?

A. M-W.: Das Infektionsgeschehen und dessen sehr dynamische Entwicklung, Rechtsetzungen vor Ort, Umsetzung von Maßnahmen im Gesundheitssystem sind die Hauptaufgaben. Im Interesse gemeinsamen Vorgehens haben wir uns im Kreis der Bürgermeister/ innen des RK Neuss mit dem Landrat auf regelmäßigen Austausch im 2-tägigen Rhythmus verständigt. Das hilft in der Meinungsbildung, es fließen viele Informationen. Aktuell wird gemeinsam daran gearbeitet, dass Gesundheitssystem so zu stabilisieren und auszubauen, dass die Menschen auch bei einer steigenden Anzahl von Infizierten gut behandelt werden können. Ich stehe in regelmäßigem Austausch mit den Fraktionsvorsitzenden der im Rat vertretenen Fraktionen. Die Dynamik der Entwicklungen erfordert schnelle Handlungen und Entscheidungen.

Red.: Wie haben Sie die Reaktionen der Meerbuscher Bürger/-innen wahrgenommen?

A. M-W.: Es herrscht eine große Betroffenheit und Sorge, wie es weitergeht, aber auch eine Akzeptanz der verordneten Maßnahmen. Die Meerbuscher Bürger/innen haben den Ernst der Lage erkannt, wir haben bisher kaum Verstöße gegen das Kontaktverbot oder die Schließung im Handel, der Gastronomie und Restaurants und Cafés feststellen müssen.

Red.: Die Menschen sind in Sorge, sie haben durchaus auch Existenzängste. Was können und möchten Sie als Bürgermeisterin ihnen sagen?

A. M-W.: Ich kann die Sorgen gut verstehen. Mit konsequenter Einhaltung von Regeln, gesellschaftlichem Zusammenhalt, Solidarität, Menschlichkeit und Rücksicht aufeinander werden wir die Krise bestehen.

Red.: Der Arbeitsalltag und Ihre Verantwortung für die Stadt ist die eine Seite – Sie sind aber auch eine Privatperson mit Familie. Was hat die Situation mit Ihnen als Privatmensch gemacht?

A. M-W.: Die Corona-Pandemie ist natürlich auch im privaten Bereich das dominierende Thema. Ich meide soziale Kontakte, auch mit unseren Kindern. Eine Entwicklung, wie wir sie in den letzten Wochen erleben, die nicht zu beantwortende Frage, wie geht es weiter, wie werden die Auswirkungen auf unsere Gesellschaft und die Wirtschaft sein, empfinde ich als sehr beunruhigend.