„Derzeit haben es Familien, die einen Angehörigen verloren haben, besonders schwer“, sagt Claudia Schlicht. „In der Pandemie können viele Angehörige dem Kranken nicht beistehen und sich auch nicht von ihrem im Sterben liegenden lieben Menschen verabschieden. Das ist extrem schmerzlich. Man weiß nicht, wie die letzten Stunden waren und wie es dem Sterbenden ergangen ist. Hinzu kommt, dass derzeit wichtige Trauerrituale nicht wie gewohnt stattfinden können.“ Die Leiterin der Städtischen Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Familien und ihr Team haben sich deshalb entschlossen, nun auch lebensnahe Trauerbegleitung anzubieten.

Die Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen erschweren die Trauer. Bei der Beerdigung müssen der tröstliche Austausch oder mitfühlende Umarmungen ausbleiben, im Anschluss ist der für Trauernde so wichtige Kontaktaustausch mit Freunden, im Trauercafé oder in der Trauergruppe kaum möglich. „Viele Trauernde bleiben somit allein. Tröstlich ist es, wenn Angehörige von sich aus Kontakt aufnehmen, schreiben, telefonieren, einen Spaziergang vorschlagen und sich aktiv kümmern“, so Claudia Schlicht. Wenn kein Abschied möglich war, könne man diesen in einer für sich passenden Form nachholen und gestalten, aussprechen, was vielleicht ungesagt blieb. Anfänglich könne es auch hilfreich sein, sich einen eigenen kleinen „Altar“ zuhause zu errichten mit einem Bild des Verstorbenen, Kerzen und Erinnerungsstücken.

Auch für Kinder sei ein Abschiedsritual ganz wichtig. Dabei sei es hilfreich, sich aktiv an den Verstorbenen zu erinnern und zum Beispiel ein Erinnerungsbuch zu gestalten. „Gemeinsam mit den Eltern können Fotos gesammelt werden, die Kinder können aufschreiben oder malen, was sie besonders gerne mit dem Verstorbenen unternommen haben und was das Besondere an diesem Menschen war, den sie so mochten“, so die Psychologin. „Bei Fragen der Kinder ist es wichtig, ehrlich zu antworten. Auch als Eltern darf man sagen ‚das weiß ich leider auch nicht’“. Spürten trauernde Kinder, dass ihre Eltern in ihrem eigenen Schmerz gut für sich sorgen oder sich selbst Unterstützung holen, falle es auch Kindern leichter, sich auf ihren eigenen Trauerprozess einzulassen.

Gerne begleitet die Beratungsstelle Ratsuchende, die über ihre Trauer und ihre Gefühle sprechen möchten, oder auch wenn Eltern wissen möchten haben, wie sie Ihre Kinder gut unterstützen können. „Wir helfen auch Kindern und Jugendlichen, ihren ganz eigenen, individuellen Trauerweg zu gehen.“ Derzeit bietet die Beratungsstelle Einzel- und Familiengespräche an und – wenn es wieder möglich ist – auch eine Trauergruppe für Kinder mit Elternbegleitung.

Anmeldungen nimmt das Sekretariat per E-Mail an Beratungsstelle@meerbusch.de entgegen. Montags bis donnerstags von 8 bis 12 Uhr und freitags von 8 bis 9 Uhr ist die Beratungsstelle unter der Telefonnummer 02159 / 916-491 zu erreichen. Außerhalb dieser Zeiten läuft ein Anrufbeantworter, der regelmäßig abgehört wird.