Dr. Franz Schütz ist der bislang einzige Ehrenbürger der Stadt Meerbusch. Foto: Stadtarchiv Meerbusch

Am 23. April 1970 wurde unter großer Anteilnahme der Meerbuscher Bevölkerung sowie zahlreicher prominenter Vertreter des öffentlichen Lebens Dr. Franz Schütz, Meerbuschs erster und bislang einziger Ehrenbürger, auf dem Büdericher Friedhof zu Grabe getragen. In dieser und folgenden Ausgaben berichtet der Stadtarchivar Michael Regenbrecht in Gastbeiträgen über das Leben, die Familie und das politische Engagement des Mannes, nach dem der zentrale Platz in Büderich benannt ist.

FAMILIE UND BERUF

Dr. Franz Schütz wurde als zweiter Sohn des Fabrikarbeiters Ludwig Schütz und der Kreishebamme Elisabeth Sudkamp am 25. Januar 1900 in Büderich geboren. Über seine Jugendzeit wissen wir bislang nur so viel, dass Franz Schütz in den Jahren 1906 bis 1914 die Büdericher Volksschule besuchte. Von 1914 bis 1917 begann er, mit einem Stipendium ausgestattet, in Neuss mit der untersten Stufe der Volksschullehrerausbildung und absolvierte ebenfalls in Neuss ein Semester am Lehrerseminar, bis er sich im August 1917 als 17jähriger als Kriegsfreiwilliger meldete. Erst 1920 sah er seine Heimat wieder. Dort wurde er nach den Kriegserfahrungen mit weiteren harten Realitäten des Lebens konfrontiert. Denn nach dem frühen Tod der Mutter und dem Verlust des ältesten Bruders im Ersten Weltkrieg starb der Vater und einzige Familienversorger 1920 im Alter von 56 Jahren. Schütz, nun mehr Familienältester und unfreiwilliges Familienoberhaupt, fi el die Aufgabe zu, zum einen für den eigenen Unterhalt und den seiner vier Geschwister Sorge zu tragen, zum anderen die Familie zusammenzuhalten.

SCHWEISSEXPERTE IM EDELSTAHLWERK BÖHLER

Die Existenzsicherung der Familie erzwang die Aufgabe des ursprünglich angestrebten Lehrerberufes und die Anstellung als Lohnarbeiter im Büdericher Edelstahlwerk Gebrüder Böhler am 15. März 1920, das 1913 am Ostrand der Gemeinde Büderich errichtet worden war. Die Sicherstellung des Familienzusammenhaltes gelang, indem der 20jährige Schütz für volljährig erklärt wurde und somit die Vormundschaft über seine vier jüngeren Geschwister übernehmen konnten. 1923 heiratete Franz Schütz die Haushälterin der Familie, Emma Kintzel, was zusätzlich zur Sicherheit und Stabilität der SchützFamilie beitrug. Aus der Ehe gingen zwei Töchter und ein Sohn hervor.

Wie bereits angesprochen arbeitet Franz Schütz von 1920 an als Bürogehilfe in der Elektroabteilung der Böhler-Werke. Aber schon bald nach seinem Eintritt in das Werk wurde er nicht mehr als Bürogehilfe, sondern in der betriebseigenen Versuchsanstalt mit dem Sachgebiet „Schweißen“ eingesetzt. Dort begann Schütz sich für Schweißtechnik zu interessieren, arbeitete sich im Selbststudium und durch praktische Betriebserfahrung in die Materie ein. Ab dem Jahr 1926 erfolgten die ersten größeren eigenen schweißtechnischen Arbeiten und Forschungen auf dem Gebiet der Zusatzwerkstoffe in der betriebseigenen Versuchsanstalt und Schütz begann Fachvorträge bei der Kundschaft der Böhler-Werke zu halten. In der Folge spezialisierte sich Schütz ausschließlich als Schweißingenieur. 1935 verlieh ihm die Werksleitung für seine Leistungen auf dem Gebiet der Schweißtechnik den Titel Ingenieur.

Ende 1951 sollte mit der akademischen Würde eines Ehrendoktors der TH Aachen eine weitere Anerkennung seiner besonderen Verdienste um die Schweißtechnik hinzukommen. Im Jahre 1941 zum Leiter der schweißtechnischen Versuchsanstalt ernannt, übernahm Schütz 1944 zusätzlich die Betriebsleitung der Böhler Schweiß-Drahtbetriebe.

Da Franz Schütz politisch unbelastet war, über menschliche und exzellente fachliche Qualitäten verfügte, setzte ihn die britische Militärregierung mit Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 als kommissarischen Leiter, respektive Treuhänder, für das zunächst stillgelegte und bis 1947 von Demontage bedrohte Böhler-Stahlwerk ein. Ein Jahr später, im Jahre 1946, übertrug ihm die österreichische Böhler-Muttergesellschaft in Wien die Leitung des Büdericher Böhler-Werkes sowie der deutschen Böhler-Verkaufsstellen mit Zustimmung der Militärregierung. Damit war Franz Schütz zum verantwortlichen Chef der Böhler-Werke ernannt worden. Er hat von diesem Zeitpunkt an die Geschicke des Unternehmens bis zur Pensionierung im Jahre 1964 als technisches Vorstandsmitglied der 1960 gegründeten deutschen Böhler-Aktiengesellschaft entscheidend mitbestimmt. Dann blieb er noch als Aufsichtsratsmitglied bis zu seinem Tod 1970 dem Unternehmen verbunden, das für ihn 50 Jahre lang berufliche Heimat gewesen war.

SOZIALES ENGAGEMENT

Der Wiederaufbau und die Entwicklung des Böhler-Werkes zu einem modernen Unternehmen erschöpfte sich für den Werksdirektor Dr. Franz Schütz nicht allein im technischen Wiederaufbau sondern auch auf die Pflege und Gestaltung des Betriebsklimas durch den Auf- und Ausbau eines vielfältigen Kranzes unterschiedlicher Sozialleistungen für die Böhler-Belegschaft, wobei die im Zeitraum 1952 bis 1955 entstandene Böhler-Siedlung am Rande der Gemeinde Büderich die Krone im Kranz dieser betrieblichen Sozialleistungen darstellte.