Bevor die Raupen des Eichenprozessionsspinners in den Monaten Juni bis August erneut in Scharen auftreten, werden die Schädlinge nun wieder frühzeitig bekämpft. Dazu besprüht ein von der Stadt beauftragtes Fachunternehmen am 4., 5. und 6. Mai rund 100 Eichen im Stadtgebiet mit einem auf biologischer Basis aufgebauten, für den Menschen ungefährlichen Bekämpfungsmittel.

Eingesetzt wird das Mittel ausschließlich in belebten öffentlichen Bereichen wie Schulhöfen, Parkanlagen, an Spielplätzen oder Radwegen. Arbeiten werden die Schädlingsbekämpfer unter anderem an der Eichenallee Am Eisenbrand und im Park des „Meerbades“ in Büderich, am Park-und-Ride-Platz Haus Meer, an den eichengesäumten Wegen zum Meerbusch-Gymnasium in Strümp und am Sportplatz an der Nierster Straße in Lank. „Wir wollen sicherstellen, dass die Population spürbar eingedämmt wird. Deshalb greifen wir frühzeitig ein“, so Michael Betsch, Bereichsleiter der Stadtverwaltung für Grünflächen, Friedhöfe und den Bauhof. Grund zur Besorgnis bestehe nicht. Auf Initiative des Umweltministeriums NRW haben die Kommunen im Lande inzwischen ein einheitliches Vorgehen abgestimmt.

Hintergrund-Info
Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea, abgekürzt EPS) ist ein Schmetterling, dessen Raupen sich bevorzugt von jungem Eichenlaub ernähren. Er ist ein eher unscheinbarer, graubrauner Nachtfalter, der jedoch für Menschen und Nutztiere eine Gefahr darstellen kann. Zwar ist der Schmetterling an sich harmlos, doch seine Larven tragen mikroskopisch kleine Gifthaare, die auf der Haut und an den Schleimhäuten allergische Reaktionen hervorrufen können. Die Beschwerden reichen von juckenden Hautausschlägen (Raupendermatitis) bis zu Asthmaanfällen. Ursache ist das Nesselgift Thaumetopoein in den Härchen der Larven. Leider werden diese Brennhaare auch durch die Luftströmung verteilt, so dass es ratsam ist, Bäume, die vom Eichenprozessionsspinner befallen sind, weiträumig zu meiden.

Erstmals beschrieben wurden Massenvermehrungen des Eichenprozessionsspinner im heutigen Nordrhein-Westfalen bereits vor über 200 Jahren. Seit 1993 ist jedoch eine zunehmende Ausbreitung in Europa und Deutschland zu beobachten. In Deutschland ist er zuerst in Bayern und Baden-Württemberg aufgetreten und hat sich von dort aus weiter nach Norden und Osten ausgebreitet. In NRW wurde der EPS 1994 erstmals wieder im Rheinland und am Niederrhein gesichtet. Seit 2001 erfolgte dann eine weitere Ausbreitung in östlicher und nordöstlicher Richtung.

Durch die steigenden Durchschnittstemperaturen als direkte Folge des Klimawandels werden wärmeliebende Arten, wie der EPS, in ihrer Entwicklung begünstigt. In den kommenden Jahren wird sich das Befallsgebiet daher wahrscheinlich noch weiter vergrößern. Das Vorkommen beschränkt sich dabei fast ausschließlich auf die tieferen Lagen im Rheinland, am Niederrhein und im Münsterland.  Er zieht in Prozessionen von Baum zum Baum und macht sich gierig über junge Triebe her. In den vergangenen Jahren hat er sich in Europa sprunghaft vermehrt: Die Eigelege finden sich an kleinen Ästen in der Baumkrone und sind so gut getarnt, dass sie vom Boden aus praktisch nicht entdeckt werden können. Ende April bis Anfang Mai schlüpfen die Larven gleichzeitig mit dem Austreiben der Blätter. Nach dem letzten Larvenstadium verpuppen sich die Insekten und verlassen das Nest im Juli als unscheinbare, graubraune Motten.