Die Werkskapelle Böhler im Jahr 1933.

Wenn die Sonne rotglühend untergeht hinter dem alten Hochofen der Böhler Stahlwerke in Meerbusch, dann kann man erahnen, wie hier früher flüssiges Metall gegossen und glühende Blöcke gehämmert wurden. Noch immer wird hier Stahl veredelt, bearbeitet und umgeladen. Durch den Lärm der schweren Kräne und Maschinen dringen aber auch immer wieder andere Klänge in den Abendhimmel zwischen Meerbusch und Düsseldorf.

Sonst mischt sich Industriegetöse hier mit sinfonischer Blasmusik. Es ist Mittwochabend und damit normalerweise Probezeit für die Musikerinnen und Musiker der Werkskapelle Böhler. Doch auch hier hat die Corona-Pandemie dem Probebetrieb einen Riegel vorgeschoben. Es ist still im Hause Böhler, doch die Musikerinnen und Musiker haben sich andere Wege gesucht.

MUSIKALISCHES AUSHÄNGESCHILD

Vieles hat sich geändert, seit sich 1933 einige Stahlarbeiter zusammenfanden, um Musik zu machen. Vom kleinen Ensemble hat sich die Werkskapelle zu einem großen Musikzug und sinfonischen Orchester mit rund 50 aktiven Mitgliedern entwickelt. Seit rund 25 Jahren leitet Peter Koch als vierter Dirigent die Böhleraner. Seit jeher sind das Edelstahlwerk Böhler und seine Musiker eng verbunden. Hier liegen Proberaum und Fabrikhalle Tür an Tür, hier marschiert die Werkskapelle zwischen Kränen und Staplern, hier trifft Edelstahl auf Blech und Holz. Das Sinfonische Orchester ist längst das musikalische Aushängeschild des Stahlwerks an der westlichen Stadtgrenze der nordrheinwestfälischen Landeshauptstadt. Dabei wurde stets der Charakter der Werkskapelle bewahrt, und so sind werksinterne Auftritte und Konzerte für die Musikerinnen und Musiker von Böhler Ehrensache. Ob auf Schützenfesten in der Region, Stadtteilfesten in Meerbusch, Marschier-Shows, Ständchen oder beim musikalischen Höhepunkt dem großen Jahreskonzert – die Musikanten aus dem Hause Böhler zeigen, wie schön Holz und Blech klingen kann.

ÜBEN IN CORONA-ZEITEN

„Wo man zusammen Musik macht, da entsteht eine große Gemeinschaft! Die zeigt sich auch oder gerade wegen Corona“, so fasst Peter Koch das Erfolgsrezept hinter der Werkskapelle zusammen. Jung und Alt teilen hier ihre Begeisterung an der Musik und können voneinander lernen. In Zeiten der Pandemie, wo Abstandsregeln und Kontaktsperren das Proben verhindern, gilt es Wege zu finden, den Kontakt zur Musikerfamilie nicht zu verlieren und als Kapelle öffentlich präsent zu bleiben. So findet Böhler großen Anklang im Internet und den sozialen Medien. Es wurden Musikvideos aus dem „Home-Office“ gedreht und im Internet präsentiert, für die ausgefallenen Schützenfeste wurden kurzerhand Märsche mit Abstand aufgenommen und Hygienemasken mit dem Böhler-Logo für alle Mitglieder produziert. „Wenn die Kapelle jetzt schon knapp 90 Jahre bestanden hat, dann werden wir eine Pandemie auch gemeinsam und mit Abstand durchstehen können“, sagt Vorstandsmitglied Fabian Schmidt und freut sich schon auf die erste Probe nach Corona – wann auch immer!