Landrat Hans-Jürgen Petrauschke (r.) und der Stellvertretende Landrat Dr. Hans-Ulrich Klose. Foto: Rhein-Kreis-Neuss

Der Rhein-Kreis Neuss ist mit rund 460.000 Einwohnern einer der größten, erfolgreichsten und angesehensten Kreise Deutschlands. Das wäre sicher anders, wenn in den 1970-er Jahren nicht die Gefahr gebannt worden wäre, dass Teile des Kreisgebiets umliegenden Großstädten zugeschlagen werden. „Wir sind froh, dass unser Kreis mit seinen acht Kommunen heute so gut aufgestellt ist. Die Stadt Meerbusch, die 2020 ihr 50-jähriges Bestehen feiert, ist ein starker Teil davon“, sagte Landrat Hans-Jürgen Petrauschke in der Dezember-Sitzung des Kreistags. Anlässlich des bevorstehenden Stadtjubiläums erinnerte er gemeinsam mit dem 1. Stellvertretenden Landrat, Dr. Hans-Ulrich Klose, an die außergewöhnliche Geschichte Meerbuschs.

Gegründet zum 1. Januar 1970 wäre die Stadt nur sechs Jahre später beinahe wieder von der Landkarte verschwunden. „Für den Verbleib Meerbuschs im neu gebildeten Kreis Neuss wurde auch auf unserer Seite mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gekämpft und letztlich auch überzeugt“, so der Landrat. Dabei sei der Name Dr. Hans-Ulrich Klose – langjähriger Landtagsvizepräsident – in ganz besonderer Weise mit dem Ringen um die Stadt Meerbusch verbunden. In der Presse war seinerzeit die Rede davon, dass der Korschenbroicher CDU-Landtagsabgeordnete Klose „wie ein Löwe für Meerbusch kämpft“. Und dies tat er in Allianz mit seinen damaligen Landtagskollegen Dr. Heinz-Günther Hüsch aus Neuss und Peter Giesen aus Jüchen.

Das vergleichsweise kleine Meerbusch hatte damals Begehrlichkeiten bei den großen Nachbarn Düsseldorf und Krefeld geweckt. Beide stellten Gebietsforderungen und verfolgten handfeste Ziele: Zum Beispiel wollte sich Düsseldorf mit der Angliederung von Büderich die Verfügungsgewalt über die linksrheinische Einflugschneise seines Flughafens und darüber hinaus die Verbindung zur Kläranlage in Ilverich sichern. Krefeld sah beispielsweise in den Freiflächen der nördlichen Gemeindeteile ein „ideales Gelände für die geplante Hafenerweiterung“.

Im Kampf um Meerbusch und den Rhein-Kreis Neuss, wie er heute besteht, sollten drei Anläufe bis zum glücklichen Ausgang nötig sein. Und es war nicht allein ein Ringen auf ministerialer und politischer Ebene. Die Bürgerinnen und Bürger kämpften voller Hingabe für ihre Heimat. Überall waren orangene „Ja zu Meerbusch“-Plaketten zu sehen. Bei Kundgebungen und Demonstrationen hieß es auf Plakaten und Spruchbändern kämpferisch: „Meerbusch – acht Dörfer, aber ein Wille!“

Trotz aller Proteste beschloss der Landtag die Auflösung der jungen Stadt. Nachdem ein dazu von Dr. Klose eingebrachter Änderungsantrag im Landtag abgelehnt wurde, gab das Verfassungsgericht in Münster im September 1974 dem Meerbuscher Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung im Rahmen einer Verfassungsbeschwerde statt – allerdings nur wegen formaler Mängel im Gesetzgebungsverfahren. Wie damals schon befürchtet wurde der Gesetzesentwurf zur Auflösung von Meerbusch 1976 neu aufgelegt. Seite an Seite streiten Bürger, Politik und Verwaltung aber weiter für die Sache Meerbuschs.

So hat sich der Kreistag in einer Sondersitzung im Februar 1976 im Meerbuscher Matare-Gymnasium einstimmig gegen die Eingemeindung von Meerbusch in die Städte Düsseldorf und Krefeld ausgesprochen. Im Landtag kämpfte Dr. Hans-Ulrich Klose unterdessen weiter für die Stadt und sammelte Stimmen. Am 20. Mai 1976 war schließlich der Tag der Entscheidung gekommen. Im Hammelsprung entscheidet sich der Landtag mit dem Ergebnis „94 zu 92“ für Meerbusch.

Damit war die letzte Gefahr, die die neue Kreisgemeinschaft hätte gefährden können, gebannt und ein ebenso spannendes wie aufreibendes Kapitel Kommunalgeschichte beendet. Landrat Petrauschke: „Unser gemeinsames Ziel aber ist über mehr als 40 Jahre hinweg geblieben: ein gutes Miteinander in einem zukunftsfähigen Rhein-Kreis Neuss mit Meerbusch als eine von acht eigenständigen Kommunen.“