Foto: Stadt Meerbusch / Sandra Sperlinger

2020 – das ist ein besonderes Jahr für Meerbusch: Die Stadt wird 50. Exakt am 1.1.1970 wurde die Stadtgründung durch das Inkrafttreten des Kommunalen Neugliederungsgesetzes Realität. Aus acht Stadtteilen (vom Krefelder Süden bis zum Norden Düsseldorfs) wurde die neue Stadt Meerbusch. Dieser Name tauchte bis dato garnicht auf den Karten auf. In diesem Jahr möchten wir das Thema gerne immer wieder aufgreifen und haben dazu ein Gespräch mit Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage:

Wie ist der Name Meerbusch überhaupt entstanden?

Angelika Mielke-Westerlage: Am 16. Juli 1967 trafen sich erstmals Vertreter aus Büderich, Osterath, Strümp, Lank und den Rheingemeinden in einer Neugliederungskommission. Zunächst musste die Kommission einen Namen für das neu zu gründende Stadtgebilde finden. Das war gar nicht so einfach. Der Name sollte gut klingen und gut zu merken sein. Er sollte den Menschen Heimatgefühl vermitteln und einen klaren Bezug zu den regionalen Gegebenheiten haben. So kam zunächst der Name „Rheinau“ ins Spiel. Diese Ortsbezeichnung gab es allerdings schon rund 50 Mal entlang des Rheins. Der überzeugende Vorschlag „Meerbusch“ kam vom damaligen FDP-Ratsherr Frid Muth. Der Name nimmt Bezug auf das PrämonstratenserinnenKloster Meer, das als wirtschaftliche und kulturelle Keimzelle unseres heutigen Siedlungsraums gilt, und auf den Meerer Busch, das große Waldgebiet im klösterlichen Besitz. Von der Idee waren alle Kommissionsmitglieder sofort begeistert.

Red.: Die Stadtgründung ist ja das Resultat eines heftigen Widerstandes gegen andere Strukturen, die im Gespräch waren. Wen sehen Sie da als wichtige Akteure im Sinne Meerbuschs?

Angelika Mielke-Westerlage: Dass die Stadtgründung so erfolgreich verlief, haben wir zunächst unserem einzigen Ehrenbürger und damaligen Bürgermeister der Gemeinde Büderich zu verdanken. Er erkannte sehr früh, dass man den Eingemeindungsgelüsten der Landesplaner und der umliegenden Großstädte nur in einer starken Gemeinschaft wirkungsvoll begegnen konnte. Deshalb knüpfte Schütz sehr früh die Verbindungen zu den entscheidenden Leuten in Osterath und im Amt Lank. Als es darum ging, das junge Pflänzchen Meerbusch gegen alle Widerstände von außen zu erhalten, haben vor allem der damalige Bürgermeister Ernst Handschumacher, Stadtdirektor Edgar Sonnenschein, der Landtagsabgeordnete Hans-Ulrich Klose oder die Köpfe des Bürgerkomitees „Ja zu Meerbusch“, Kurt Schindlauer, Herbert Jacobs und Ernst Nüse, tolle Arbeit geleistet. Sie zogen damals alle juristischen und politischen Register, um Meerbusch zu retten. Mit Erfolg!

Red.: Aus acht unterschiedlichen und teils vorher eigenständigen Gemeinden eine neue Stadt zu bilden, ist eine Herausforderung. Wie steht die „Stadtgemeinschaft“ heute da?

Angelika Mielke-Westerlage: Wir haben in den vergangenen 50 Jahren Meerbusch viel erreicht, auf das wir stolz sein dürfen. Die Stadt steht wirtschaftlich gesund da, sie entwickelt sich positiv. Die Menschen leben gerne hier und fühlen sich wohl. Ich denke, das ist das beste Kompliment. Die Meerbuscher sind mit ihrem jeweiligen Stadtteil eng verbunden. Ein gesundes Stadtteildenken ist eine ganz normale Sache. Das gibt es in großen wie in kleinen Städten. Entscheidend aber ist, dass wir, wenn es „ernst“ wird, selbstbewusst gemeinsam die Meerbusch-Fahne hochhalten. Ich glaube, das funktioniert heute in der Praxis sehr gut.

Red.: Wie stellen Sie sich die Zukunft der Stadt bzw. dieser Stadtgemeinschaft vor?

Angelika Mielke-Westerlage: Die Stadtgemeinschaft wird weiter zusammenwachsen, da bin ich sicher. In jüngster Zeit sind viele Neubürger nach Meerbusch gezogen, die die Vorgeschichte der Stadt kaum kennen. Sie wählen einen Stadtteil zum Wohnen und Leben aus, sie verstehen sich aber automatisch als Meerbuscher. Das gilt ebenso für unsere junge Generation, die ganz selbstverständlich über Stadtteilgrenzen hinausschaut.

Red.: Welche Themen sind in der nahen Zukunft wichtig?

Angelika Mielke-Westerlage: Wir machen uns intensiv Gedanken darüber, wie Meerbusch sich in den nächsten zehn Jahren und darüber hinaus weiter entwickeln soll. Dazu haben wir u.a. ein Integriertes Stadtentwicklungskonzept, ein Einzelhandelskonzept und eine Wohnraumbedarfsanalyse erarbeitet. Darüber hinaus werden wir konsequent weiter daran arbeiten müssen, die Betreuung und Bildung der Kinder zu optimieren oder die wachsenden Verkehrsprobleme in den Griff zu bekommen. Wichtig aber ist: Auch wenn sich die Stadt derzeit gefühlt beschleunigt verändert, soll sie ihren Charakter und damit ihre schon sprichwörtliche Lebensqualität behalten.

Red.: Den Auftakt macht ja die große Silvester-Party in Osterath – wie wird es weitergehen, welche konkreten Termine und Ideen gibt es schon?

Angelika Mielke-Westerlage: Nach der Silvester-Party folgt zu Karneval zunächst der traditionelle Rathaus-Sturm im Zeichen des Stadtjubiläums. Mit dem Rathaus-Sturm sind wir 2020 noch einmal an der Hochstraße in Osterath zu Gast, weil im Rathaus in Büderich bis zu den Sommerferien gearbeitet wird. Am 26. April steht das japanische „Kirschblütenfest“ im Meerbad-Park in Büderich auf dem Programm, das wir mit dem Stadtjubiläum und dem zehnjährigen Bestehen der Städtepartnerschaft mit Shijonawate verbinden.

Red.: Wie geht es dann weiter?

Angelika Mielke-Westerlage: Der nächste Termin steht im Mai an. Dann werden wir das Stadtjubiläum im Rahmen eines Festaktes mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Vereinsleben feiern. Im Juni gibt es in Lank-Latum doppelten Grund zum Feiern: Der Bundesspielmannszug Lank-Latum feiert 100-jähriges Bestehen. Zusammen mit dem Stadtjubiläum gestalten wir ein Wochenende mit Streetfood-Festival, Bühnenprogramm, Marschmusik und vielem mehr. Damit haben wir in allen drei großen Stadtteilen ein Jubiläumsangebot. Mit Marketing-Aktionen, Wettbewerben und vielen kleineren „Gimmicks“ wollen wir das Jubiläum das ganze Jahr über im Bewusstsein der Meerbuscher präsent halten. Details werden wir nach und nach verraten. Ob wir nach der Sommerpause zur Wiedereröffnung des Rathauses an der Dorfstraße noch ein Fest anbieten können, werden wir sehen.

Red.: Wie informieren Sie die Bürger über das Festgeschehen?

Angelika Mielke-Westerlage: Natürlich informieren wir die Öffentlichkeit über alle uns zur Verfügung stehenden Medien. Als Wiedererkennungszeichen für alle Aktivitäten, die mit dem Stadtjubiläum zusammenhängen, haben wir zudem ein eigenes Logo entwickelt. Die Botschaft ist klar und steht für den Zusammenhalt aller Stadtteile, die Meerbusch so unverwechselbar machen: „Acht sind eins“.

Red.: Kann man sich jetzt noch einbringen?

Angelika Mielke-Westerlage: Vereine oder Gruppen, die sich mit Aktionen oder Events einbringen wollen, sind herzlich willkommen. Wer hier etwas anbieten möchte, kann das Jubiläumslogo dazu nutzen. Eine Mail oder ein Anruf im Rathaus genügen.

Red.: Schauen wir voraus. Was wünschen Sie sich: Wie sollten die Meerbuscher am Ende des Jahres auf ihr Stadtjubiläum zurückblicken?

Angelika Mielke-Westerlage: Natürlich positiv und zufrieden. Ich würde mich freuen, wenn am Ende des Jahres möglichst viele Menschen mitgefeiert und auch über ihre junge Stadt etwas Neues gelernt haben. Ich denke, das wäre auch im Sinne unserer „Männer der ersten Stunde“, denen wir die Existenz unserer Stadt verdanken